Odysseus

Odysseus ( Ulixes ) zählt wohl zu den bekanntesten Helden der griechischen Mythologie. Seine Taten im trojanischen Krieg beschreibt Homer in der Ilias, seine anschliessende Heimreise schildert er in seiner Odyssee. Dieses Werk besteht aus 12.200 Hexameterversen, aufgeteilt auf 24 Gesänge. Homer beschreibt die Heimfahrt dabei nicht chronologisch. Vielmehr beginnt das Werk mit dem Abschied des Helden von der Nymphe Kalypso und mit dem nachfolgenden Strandens bei den Phaiaken. Die zuvor erlebten Abenteuer des Helden werden in Form von Rückblenden erzählt bzw. in Form von Berichten des Odysseus, die dieser am Königshaus von Alkinoos erzählt.

Odysseus ist ein Sohn von Laërtes, dem König von Ithaka und der Antikleia. Ausserdem soll er ein unehelicher Nachkomme des Sisyphos sein, dessen Listenreichtum er geerbt haben soll. Die Gemahlin von Odysseus ist Penepole, Tochter des Spartanerkönigs Ikarios. Mit dieser hat Odysseus einen Sohn, Telemachos.

Einst warb Odysseus -zusammen mit vielen anderen Edlen- um Helene, die schöne Tochter von Zeus ( mit Leda ). Auf seinen Rat hin schworen sämtliche Freier, die Wahl Helenes zu respektieren und ihre Ehe zu verteidigen. Sie erwähle Menelaos. Als sie später von Paris nach Troja entfährt wurde, erinnerte der betrogene Gatte alle frühren Freier an ihren Schwur und sammelte sie zum Krieg gegen Troja. Odysseus war aber von einem Orakel geweissagt worden, er würde erst nach zwanzig Jahren aus diesem Krieg zurückkehren. Da er seine Frau und den gerade erst geborenen Sohn nicht zurücklassen wollte, stellte er sich wahnsinnig. Palamedes entlarvte ihn jedoch und so vertraute er Haus und Hof seinem Freund Mentor an und stiess zur griechischen Streitmacht.

In dem darauffolgendem 10jährigen trojanischen Krieg hatte er massgeblichen Anteil am letztendlichen Sieg der Griechen. Doch seine Odyssee sollte erst richtig mit seiner Rückreise nach Ithaka beginnen.

Mit einer Flotte von zwölf Schiffen und 500 Gefährten begann Odysseus die Heimreise. Widrige Winde verschlugen die Schiffe an die thakrische Küste. Die Bewohner des Landes, die Kikoner, waren im Krieg Verbündete der Trojaner gewesen und so überfiel Odysseus deren Hauptstadt Ismaros. Während der Siegesfeier ( bzw. dem daran anknüpfenden Besäufnis ) wurden sie jedoch von nachrückenden Truppen überrascht und mussten sich auf die Schiffe zurückziehen. Odysseus verlor dabei 72 Männer.

Auf der Weiterfahrt wurden sie bei Kap Malea in Peleponnesos vom Windgott Boreas durch ein Unwetter aufgehalten. Nach neun Tagen Kampf gegen die Unwetter erreichten sie das Land der Lotophagen ( "Lotosesser" ) an der afrikanischen Küste. Die Lotos ist eine süsse Frucht, die den Esser in eine ruhige und gelassene Stimmung versetzt und daduch Schmerzen lindert. Allerdings auch den Schmerz des Heimwehs, und so konnte Odysseus seine Männer nur durch Gewalt zurück auf die Schiffe bringen und zur Weiterfahrt bewegen.

Danach kamen sie zur Insel der Kyklopen. Mit zwölf seiner Männer betrat Odysseus die Insel. Den Rest der Flotte lies er sicherheitshalber bei einer nahe gelegenen Insel zurück. Auf der Suche nach Proviant gelangte er in die Höhle des Kyklopen Polyphemos. Dieser war ein Sohn des Meeresgottes Poseidon. Er nahm die Männer in seiner Höhle gefangen und begann sie zu verspeisen. Odysseus gelang es, den Riesen mit Wein betrunken zu machen und als Polyphemos daraufhin einschlief, ihm mit einem angespitzen und im Feuer gehärteten Pfahl das Auge auszustechen. Zuvor hatte er dem Riesen noch verraten, dass sein Name Utis ("Niemand") sei. Als der Riese nun vor Schmerz aufschrie, kamen seine Brüder, um nach der Ursache des Lärms zu schauen. Als Polyphemos nun schrie, dass Niemand da sei, der ihm Gewalt antäte, zogen die übrigen Riesen wieder ab. Der geblendete Riese verschloss daraufhin den Eingang zur Höhle mit einem grossen Felsblock, so dass die Griechen nicht fliehen konnten. Als Polyphemos seine Schafherde aus der Höhle zum weiden lies, banden sich die Griechen unter den stärksten Widdern fest und entkamen so.
Kaum wieder auf See, rief Odysseus dem Riesen Schmähreden zu. Dieser warf mit Felsbrocken nach dem Ursprung der Stimme und verfehlte das Schiff nur knapp. Sein Verhalten erzürnte jedoch Poseidon, der daraufhin nichts mehr ungetan lies um seinen Sohn an Odysseus zu rächen.

Als nächstes steuerte Odysseus die schwimmende Insel des Windgottes Aeolos an. Dieser war dem Helden wohlgesonnen. Um ihm die Weiterfahrt zu erleichtern sperrte Aeolos die widrigen Winde in einen Sack aus Leder und verschloss diesen. Den Sack übergab er Odysseus, der ihn an den Schiffsmast band. Seine Gefährten vermuteten allerdings wertvolle Geschenke in dem Sack und mutmassten, dass Odysseus diese nicht mit ihnen teilen wolle. Als Ithaka bereits in Sichtweite war überkam sie die Neugier und sie öffneten den Sack. Die befreiten Winde bliesen das Schiff daraufhin bis zur Insel des Aiolos zurück. Auf eine Bitte Odysseus um erneute Hilfe ging der Windgott nicht ein.

Danach musste die Flotte das Land der Laistrygonen passieren. Dabei handelte es sich um (menschen-)fleischfressende Riesen. Sie bewarfen die Flotte mit Felsbrocken, versenkten die Schiffe und frassen die Besatzungen. Einzig Odysseus entkam mit seinem Schiff den Riesen.

Das letzte verbliebene Schiff kam zur Insel Aiaia, der Heimstatt der Zauberin Kirke. Diese verwandelte alle Besucher der Insel in Tiere, so auch die Begleiter des Odysseus. Mit Hilfe von Hermes konnte Odysseus dem Zauber widerstehen und Kirke unterwerfen. Er zwang sie, seine Begleiter zurückzuverwandeln. Odysseus blieb ein ganzes Jahr bei der Zauberin und zeugte mit ihr einen Sohn, Telegonos ( und auch Agrios und Latinos ? ). Auf den Rat der Zauberin hin stieg Odysseus in die Unterwelt, um den Geist des verstorbenen Sehers Teiresias nach seinem weiteren Schicksal zu befragen. Dieser offenbarte ihm, dass Poseidon aufgrund der Kränkung seines Sohnes dem Helden zürne und seine Rückkehr nach Ithaka verhindere. Trotz allem könne aber das Unternehmen zu einem glücklichen Ende gelangen. Aber nur, wenn er und seine Gefährten auf der Insel Trinakia die heiligen Kühe des Sonnengottes Helios achten würden. Anderenfalls werde er seine Heimat erst nach langer Zeit wiedersehen, alleine und auf einem fremden Schiff.

Nachdem Odysseus sich von Kirke getrennt hatte fuhr er an der Insel der Sirenen vorbei. Seine Gefährten hatten sich mit Wachs die Ohren verstopft, so dass sie den Gesang nicht hören und ihm nicht erliegen konnten. Er selbst hatte sich zuvor an den Mast binden lassen und konnte so ungefährdet dem Gesang lauschen.

Danach musste der Held an den beiden Meeresungeheuern Skylla und Charybdis vorbei. Schon die Argonauten hatten diese Stelle nur mit Hilfe der Nereiden unbeschadet überwinden können. Skylla, ein Ungeheuer mit sechs Köpfen und zwölf Füssen griff nach dem Schiff und frass sechs der Gefährten auf. Charybdis auf der anderen Seite der Meerenge sog mehrmals täglich das Wasser ein und spieh es wieder aus. Aufgrund eines Ratschlages der Kirke hatte Odysseus ihre Seite gemieden.

Nach diesem schrecklichen Erlebnis landete die Heldengruppe an der Insel Trinakia. Wie Teiresias angemahnt hatte, verschonten sie die dort weidenden Kühe. Doch der Windgott Notos verhinderte über einen Monat lang die Weiterfahrt. Obwohl Odysseus seine Gefährten ständig ermahnte, schlachteten diese am Ende ausgehungert ein paar der Kühe. Dies erzürnte den Sonnengott. Er drohte den übrigen Göttern, die Sonne nicht mehr scheinen zu lassen und erzwang so von ihnen einen Racheschwur. Als endlich ein günstiger Wind die Weiterfahrt ermöglichte zerstörte Zeus persönlich durch einen Sturm das Schiff. Bis auf Odysseus ertrank die ganze Mannschaft.

An den Mastbaum des Schiffes geklammert trieb Odysseus im Meer bis er schliesslich auf der Insel Ogygia an Land gespült wurde. Diese Insel war der Wohnsitz der Nymphe Kalypso. Die unsterbliche Tochter des Atlas nahm den Schiffbrüchigen bei sich aus, entbrannte in Liebe zu ihm und behielt ihn sieben Jahre lang bei sich ( wobei sie ihm sogar anbot, ihn unsterblich zu machen ). Nach sieben Jahren entlies sie ihn auf Geheiss des Götterboten Hermes, damit Odysseus sich wieder auf den Weg machen und sein Schicksal erfüllen konnte.

Mit einem Floss und genügend Proviant versorgt machte sich der Held auf. Doch Poseidon entdeckte ihn nach kurzer Zeit, als Odysseus gerade die Insel der Phaiaken passierte und der Gott versenkte das Floss. Mit Hilfe der Meeresgöttin Leukothea ( früherer Name: Ino ) konnte sich Odysseus ans Ufer retten. Dort wurde er von der Königstochter Nausikaa entdeckt und an den Hof gebracht. Die Phaiaken nahmen den Helden gastfreundlich auf und Odysseus berichtete seinen Gastgebern von seinen jahrelangen Abenteuern. Alkinoos, der König der Phaiaken überlies Odysseus eines seiner Schiffe, damit er schneller nach Ithaka zurückkehren konnte.

So kam Odysseus endlich zurück in seine Heimat. Als Bettler verkleidet begab er sich an den Hof, wo seine Frau Penepole in der Zwischenzeit von einer Vielzahl von Freiern umlagert wurde, die Odysseus aufgrund dessen langer Abwesenheit tot wähnten. Diese wollten Penepole zu einer neuen Heirat drängen. Um sich dem zu entziehen, hatte Penepole verlautbarten lassen, sie werde erst wieder heiraten, wenn sie das Totengewand für ihren Schwiegervater Laërtes fertig gewebt hätte. Doch jede Nacht trennte sie wieder auf, was sie am Tag gewebt hatte. Doch nachdem diese List aufgedeckt worden war, wurde es kritisch. Auf Anraten der Göttin Athene versprach sie demjenigen ihre Hand, der den Bogen Odysseus spannen könne. Ein Freier nach dem anderen versagte bei dieser Prüfung, bis es am Ende der Bettler war, der den Bogen spannen konnte. Da erkannten die Freier Odysseus. Doch dieser tötete mit Hilfe seines Sohnes Telemachos sämtliche Freier. Die Angehörigen der Getöteten sannen daraufhin auf Rache, doch nach einer Vermittlung durch Athene kehrte wieder Friede in Ithaka ein.

Hinweis für Rollenspieler:
Odysseus gilt als ideales Beispiel eines verfluchten Characters. Während der Fluch dem Helden nie direkten Schaden zufügt ( oft entkommt er sogar als einziger ), nimmt er ihm nach und nach sämtliche Freunde, Helfer, Kampfgefährten. Der Held kann niemals zur Ruhe kommen oder sein Ziel erreichen. Erst als nach zehn Jahren Zeus den Fluch von ihm nimmt, kommt der Held zur Ruhe.




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